Wenn das Feuer überschießt: Was Schmerzen mit deinen Emotionen machen
Aktualisiert: 28. Aug.
Kennst du das, dass du in stressigen Phasen plötzlich auch schneller gereizt bist, obwohl eigentlich nur dein Körper das Problem macht? Sodbrennen, Verspannungen, ein unruhiger Schlaf, und mittendrin merkst du, wie kurz deine Geduld geworden ist.
In meiner Praxis erlebe ich dieses Muster sehr oft, bei Frauen genauso wie bei Männern. Jemand kommt wegen körperlicher Beschwerden zu mir, und im Gespräch stellt sich heraus, die Reizbarkeit ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen, die Geduld kürzer geworden. Das eine hängt fast immer mit dem anderen zusammen.
Wenn Emotionen auf die Organe wirken
In der TCM sind Emotionen jeweils einem Organsystem zugeordnet, Freude dem Herzen, Zorn der Leber, Grübeln der Milz, Trauer der Lunge, Angst der Niere. Emotionen sind damit keine reine Kopfsache, sie wirken direkt auf unsere Organe, und umgekehrt wirken unsere Organe auf unser Gemüt zurück.
Im Sommer betrifft das besonders das Herz, weil es zum Element Feuer gehört, genau wie der Sommer selbst. Ist zu viel Hitze im System, kann dieses Feuer überschießen. Wir nennen das Herz-Feuer, es stört den Shen, vereinfacht gesagt unseren Geist oder unsere innere Ruhe. Zeigt sich Herz-Feuer, dann oft als innere Unruhe, Reizbarkeit, das Gefühl, dünnhäutiger zu sein als sonst, und häufig auch als Einschlafprobleme, weil der Geist abends nicht zur Ruhe kommt, obwohl der Körper müde wäre.
Ein Kreislauf, der sich selbst befeuert
Körperliche Beschwerden wie Sodbrennen erzeugen selbst wieder Anspannung. Diese Anspannung erzeugt zusätzliche innere Hitze, und diese Hitze verstärkt wiederum die Reizbarkeit und die Unruhe. Ein Kreislauf, der sich leicht selbst befeuert, wenn man nicht bewusst gegensteuert.
Eine körperliche Verbindung dahinter ist das Zwerchfell, genau dort, wo Magen und Speiseröhre ineinander übergehen. Bei Stress atmen wir automatisch flacher und höher in den Brustkorb, das Zwerchfell bewegt sich kaum noch, und das setzt genau diesen Übergang zusätzlich unter Druck.
Auch die Forschung bestätigt den Zusammenhang. Eine große Studie aus Norwegen mit über 65.000 Teilnehmenden zeigt, Menschen mit Angst oder Depression haben ein bis zu viereinhalbmal höheres Risiko für Refluxbeschwerden wie Sodbrennen. Der Zusammenhang wirkt in beide Richtungen, emotionale Anspannung verstärkt körperliche Beschwerden, und andauernde Beschwerden verstärken die emotionale Anspannung.
Eine einfache Übung, um den Kreislauf zu unterbrechen
Weil flache Atmung Stress befeuert und Stress die Atmung flacher macht, lohnt es sich, die eigene Atmung bewusst zu beobachten. Leg eine Hand auf den Bauch, die andere auf den Brustkorb, und atme durch die Nase so ein, dass sich vor allem die Hand auf dem Bauch hebt. Beim Ausatmen senkt sich der Bauch von selbst wieder. Wiederhole das etwa eine Minute lang. Das entlastet mechanisch das Zwerchfell und aktiviert den Parasympathikus, den Teil deines Nervensystems, der dich beruhigt statt anspannt, egal ob bei Sodbrennen, Ärger oder innerer Unruhe.
Dein nächster Schritt
Körper und Gemüt sind in der TCM nie wirklich getrennt, was deinen Magen belastet, belastet oft auch dein Herz. Genau solche Werkzeuge für Herz-Feuer und innere Unruhe sind fester Bestandteil von Cool Down 40+, meinem 5-Tage-Fahrplan für Nervensystem, Regeneration und Schlaf.
Dieser Beitrag basiert auf Folge 25 ("Wenn das Feuer überschießt: Was Schmerzen mit deinen Emotionen machen") von Treffpunkt.Balance. Die ganze Folge hörst du auf Spotify und Apple Podcasts. Den Link dazu findest du hier




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