Warum du dich nicht jeden Tag gleich fühlst – und was Selbstfürsorge damit zu tun hat
- 3. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Kennst du dieses Gefühl, dass für alle gesorgt ist, nur für dich selbst irgendwie nicht?
Der Tag läuft. Du denkst mit, organisierst, kochst, erinnerst, planst, beantwortest Nachrichten, schaust auf die Familie, den Beruf, den Haushalt und alles, was sonst noch dazwischenkommt. Und irgendwann merkst du: Ich habe heute kaum richtig gegessen, der Kaffee ist kalt geworden, getrunken habe ich viel zu wenig und die Pause, die ich mir eigentlich nehmen wollte, ist wieder irgendwo verschwunden.
Viele Frauen kennen genau dieses leise Nach-hinten-Rutschen der eigenen Bedürfnisse. Meist passiert es nicht bewusst. Es passiert, weil im Alltag ständig etwas dringender wirkt. Weil andere etwas brauchen. Weil noch schnell etwas erledigt werden muss. Weil man es gewohnt ist, zu funktionieren.
Dabei beginnt Selbstfürsorge oft viel einfacher, als wir glauben. Es geht nicht darum, jeden Tag eine perfekte Morgenroutine zu haben oder alles in deinem Leben umzukrempeln.
Für viele Frauen mitten im Leben beginnt Selbstversorgung bei den ganz grundlegenden Dingen: regelmäßig essen, genug trinken, kurz sitzen bleiben, Wärme in den Körper bringen, Pausen wahrnehmen und rechtzeitig spüren, wann es innerlich eng wird.
Wenn Selbstversorgung fehlt, spürt der Körper das
In meiner Praxis sehe ich immer wieder, wie eng Energie, Ernährung, Nährstoffversorgung, Zyklus und Stress miteinander verbunden sind. Wenn Frauen über längere Zeit viel leisten, unregelmäßig essen, unter Druck stehen oder sich selbst immer wieder auf später verschieben, dann zeigt der Körper irgendwann Signale.
Das können Müdigkeit, Heißhunger, Verdauungsbeschwerden, dünne Nerven, Schlafprobleme, Gereiztheit oder das Gefühl sein, ständig am Anschlag zu sein. Aus Sicht der TCM sprechen wir hier oft über die Mitte, also Milz und Magen. Diese Mitte steht für Verarbeitung, Stabilität und Versorgung. Wenn sie geschwächt ist, fehlt oft genau das, was Frauen im Alltag so dringend brauchen: Kraft, Halt und innere Ruhe.
Auch Blut, Yin und die Leber spielen in der TCM eine wichtige Rolle. Blut und Yin nähren, befeuchten und geben Substanz. Die Leber sorgt für Fluss, Beweglichkeit und Regulation. Wenn lange viel gegeben wird und zu wenig nachkommt, kann sich das körperlich und emotional bemerkbar machen.
Hier kommt auch die Sicht der Orthomolekularmedizin dazu: Nährstoffe wie Eisen, Vitamin D, Folsäure oder andere Mikronährstoffe können für Energie, Belastbarkeit, Stimmung und Regeneration eine Rolle spielen. Mir ist dabei wichtig: Bitte nicht wahllos alles ergänzen, was gerade irgendwo empfohlen wird. In meiner Arbeit schaue ich genau hin, was wirklich gebraucht wird, damit Unterstützung sinnvoll, individuell und alltagstauglich bleibt.
Du funktionierst nicht jeden Tag gleich
Ein weiterer Punkt, der für viele Frauen ein echter Aha-Moment ist: Der weibliche Körper funktioniert nicht jeden Tag gleich. Und das ist sogar eine Art von Superpower.
Viele Frauen erwarten von sich, an jedem Tag gleich belastbar, gleich klar, gleich geduldig und gleich leistungsfähig zu sein. Aber der Zyklus ist nicht nur etwas, das einmal im Monat mit der Blutung sichtbar wird. Er ist auch eine Form von Körpersprache.
Es gibt Tage, da geht vieles leichter. Du bist klarer, hast mehr Energie, bist belastbarer und kannst besser nach außen gehen. Und dann gibt es Tage, an denen Geräusche mehr nerven, der Schlaf leichter ist, der Hunger anders, die Geduld kürzer und das Nein-Sagen entweder schwerer fällt oder plötzlich sehr dringend wird.
Gerade dann lohnt sich die Frage: Was stimmt nicht mit mir? oft viel weniger als: Was zeigt mir mein Körper gerade?
Denn in bestimmten Zyklusphasen werden Grenzen oft deutlicher spürbar. Manche Frauen merken dann schneller, dass sie zu weit gegangen sind. Dass sie mehr Rückzug brauchen. Mehr Wärme. Mehr Regelmäßigkeit. Weniger Reize. Mehr Vereinfachung. Das ist keine Schwäche, sondern eine Einladung, früher hinzuhören.
Ein kleiner Impuls für deinen Alltag
Wenn du merkst, dass dir alles zu viel wird oder deine Grenze weich wird, dann halte kurz an. Stell beide Füße bewusst auf den Boden. Richte dein Brustbein sanft auf. Kreise die Schultern nach hinten, atme tief in den unteren Bauch und leg eine Hand unter den Nabel.
Dann frag dich:
Was brauche ich heute, damit ich in meiner Mitte bleibe?
Oder:
Was ist heute wirklich dran, und was wäre nur ein weiteres Darübergehen?
Dieser kleine Moment bringt dich aus dem Kopf zurück in den Körper. Und genau dort beginnt oft wieder ein klareres Spüren.
Eine schöne Übung für die nächsten Wochen ist auch die Zyklus-Ampel. Markiere dir grüne Tage mit mehr Energie und Stabilität, gelbe Tage mit weniger Puffer und rote Tage, an denen du mehr Rückzug, Wärme und Vereinfachung brauchst. Beobachte dabei nicht nur deine Blutung, sondern auch Schlaf, Hunger, Konzentration, Reizbarkeit und dein Bedürfnis nach Nähe oder Abstand.
So entsteht Selbstkenntnis. Und aus Selbstkenntnis kann Selbstfürsorge entstehen, die wirklich in deinen Alltag passt.
Mehr dazu im Podcast
Wenn du tiefer in dieses Thema eintauchen möchtest, hör gern in die aktuellen Folgen von Treffpunkt.Balance hinein. In Folge 18 geht es darum, warum Selbstversorgung im Frauenalltag so oft nach hinten rutscht. In Folge 19 sprechen wir darüber, warum du nicht jeden Tag gleich funktionierst und wie dein Zyklus dir helfen kann, deine Grenzen früher zu spüren.
Du findest den Podcast hier:
In der nächsten Folge geht es weiter mit dem Zyklus im Überblick und der Frage, was dein Körper dir im Laufe des Monats eigentlich sagen möchte. Ich glaube, da wird für viele Frauen wieder ein richtig schönes Aha-Erlebnis dabei sein.




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